Was genau ist ein Praktikum?

Laut der folgenden Definition ist ein Praktikum kein Arbeitsvertrag, sondern eine Möglichkeit, um eigene Fähigkeiten zu erweitern und neue zu erlernen, indem man sich praktisch im Arbeitsalltag beschäftigt.

»Der Begriff Praktikum bezeichnet eine auf eine bestimmte Dauer ausgelegte Vertiefung erworbener oder zu erwerbender Kenntnisse in praktischer Anwendung bzw. das Erlernen neuer Kenntnisse und Fähigkeiten durch praktische Mitarbeit in einer Organisation oder Institution. Nach deutscher Rechtsprechung (Bundesarbeitsgericht (BAG), Urteil vom 5. August 1965, 2 AZR 439/64) sind Praktikanten keine Arbeitnehmer. Es kann jedoch sein, dass ein als Praktikum bezeichnetes Dienstverhältnis entgegen der Bezeichnung in der Realität ein Arbeitsvertrag ist.«



Somit ist die Eingliederung der Praktika in das Studium, beispielsweise als Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss eines Bachelors, sinnvoll. Das in der Theorie Erlernte kann dann sozusagen »endlich« angewendet werden, der Umgang mit Kunden, Auftraggebern oder Kollegen wird erlernt und oftmals versteht man, welche theoretischen Ideen überhaupt sinnvolle Verwendung in der Realität finden.



 Welche Abteilungen bieten ein Praktikum an?



Betrachtet man den klassischen Aufbau eines Verlags, kann man sagen, dass alle Produktionsstufen einen Praktikumsplatz anbieten könnten. Von der Herstellung über Lektorat, zu PR & Öffentlichkeitsarbeit, Vertrieb, Rechte und Lizenzen, Marketing, Online-Marketing, Events und viel mehr kommen für ein mögliches Praktikum in Frage. Doch hier ist das Angebot vom Verlag alleine abhängig. Handelt es sich um einen kleinen Verlag, in dem viele Arbeitsaufgaben gebündelt an einer Stelle zu finden sind, kann es sein, dass man einen ebenso breit definierten Praktikumsplatz haben wird und viel lernen kann.


In größeren Verlagen oder Unternehmen besteht wiederum die Möglichkeit, dass man sich in der jeweiligen Abteilung sehr intensiv mit seinen Aufgaben auseinandersetzen kann, da beispielsweise eine eigene Werbeabteilung besteht. Die arbeitet mit anderen Budgets und Aktionen als es eventuell ein kleiner Verlag kann. Oftmals versuchen die großen Verlage, Spezialisten für die jeweiligen Bereiche an Land zu ziehen, von denen ein Praktikant natürlich sehr viel lernen kann.


Falls du einen Lieblingsverlag hast, zu dem du möchtest, solltest du dich vorher informieren, welche Chancen er in Hinblick auf Praktika anbietet, sodass du dich darauf einstellen und dir die notwendigen Voraussetzungen aneignen kannst. Hast du einen Bereich, in dem du gerne arbeiten möchtest, wie Vertrieb, Lektorat oder PR, dann kannst du dir deinen Verlag anhand der aktuellen Praktikums-Angebote aussuchen. Natürlich musst du hierbei auf die Ausrichtung des Verlags, den Standort und die zeitliche Länge achten, die variieren können.



Wie sind denn die Chancen für ein Praktikum?



Es gibt keine Umfragen oder Statistiken, die genau zeigen, wie die Lage auf dem Praktikumsmarkt der Buchbranche ist, aber anhand einiger Statistiken kann man sich einen Eindruck vermitteln. Die Buchbranche ist eine kleine Branche, die aus einigen großen und vielen kleinen und mittelständischen Verlagen besteht. Das zeigen beispielsweise die repräsentativen Zahlen aus »Sortiments- und Verlagskunde«, herausgegeben von Klaus-Wilhem Bramann. Denn laut dieser Quelle gab es 1990 insgesamt 1.878 steuerpflichtige Buchverlage inklusive Adressbücher. Davon waren 1.014 Verlage unter der Umsatzmarke von 500.000 DM und 37 Verlage waren über der 50 Millionen-Marke. Das verdeutlicht die vielfältige Buchverlagslandschaft, die jetzt – 22 Jahre später – noch immer vorherrscht. Das erklärt zum Teil auch das Interesse vieler Verlage, notwendige Praktika anzubieten, aber aufgrund der geringen finanziellen Flexibilität können oftmals nur unbezahlte Praktika angeboten werden. Dann bleiben aber noch immer eine Menge Verlage bestehen, die in unterschiedlichsten Bereichen tätig sind und Platz für Praktikanten haben.


Da viele Praktika für einen längeren Zeitraum angeboten und oft nicht mehrere Praktikanten auf einmal genommen werden, ist die Auswahl im Vergleich zu anderen Branchen etwas geringer und frühzeitiges Bewerben und planen empfiehlt sich. Wer sich mit dem Buchmarkt auseinandersetzt, wird feststellen, dass das Thema »Digitales Zeitalter« die Branche fest im Griff hat. Das bietet dem Nachwuchs gute Chancen, da qualifizierte Arbeitskräfte für Bereiche wie Social Media, Online Marketing und E-Books gesucht werden. Aber wie in der Social Media Umfrage 2012 der Social Media AG klar wird und auch von vielen Arbeitgebern aufgegriffen wurde, strukturieren sich viele Abteilungen momentan um. Beispielsweise ist ein Lektor mittlerweile eher ein Produktmanager, was auch in Studiengängen schon entsprechend kommuniziert wird. Das bedeutet, dass viele neuartige Stellen geschaffen werden und auch neue Geschäftsmodelle zu finden sind, die bisherige Jobprofile neu definieren. Neben den Verlagen und dem Buchhandel bieten sich auch Praktika bei den Dienstleistern der Buchbranche an: Agenturen, die Social Media-Betreuung machen, Konzepte entwickeln, Werbemaßnahmen umsetzen oder Selfpublishing betreiben, sind ebenso tolle und spannende Arbeitgeber wie Buchverlage. Und zur Buchbranche gehören schon seit langem Druckereien, Lizenzagenturen, Zwischenhändler, Grafikagenturen und noch so einiges mehr – die Auswahl an potentiellen Arbeitgebern ist groß.



Bekomme ich Geld für das Praktikum?



Ein wichtiges Thema für jeden Praktikanten und vor allem für jeden Studenten ist die Frage der Bezahlung. Wer für das Praktikum eine gewisse Zeit in einer anderen Stadt verbringen muss, eine andere Wohnung oder WG-Zimmer, Fahrtkosten zur Arbeitsstelle, Essen und sonstige Lebenserhaltungskosten hat, ist auf eine finanzielle Entlohnung des Arbeitgebers angewiesen. Ein Praktikum ist weder ein Arbeitsvertrag noch ein Dienstvertrag, sondern ein Bestandteil der Gesamtausbildung – hier das Studium – um Kenntnisse und Fähigkeiten zu erlernen. Klingt logisch, wenn dabei nicht das Thema der finanziellen Entschädigung eine so wichtige Rolle spielen würde. Denn eine Vergütung beschreibt hier die Anerkennung des Interesses des Praktikanten für das Unternehmen, kann aber nicht als Bezahlung für die geleistete Arbeit angesehen werden, da Arbeitsvertrag und Dienstvertrag fehlen, vor allem da der Praktikant eigentlich keine Vorkenntnisse mitzubringen und damit keine Leistungsverpflichtung hat. Eigentlich.


Generell gilt allgemein: Je größer die Nachfrage nach Praktikantenstellen, desto niedriger ist die Chance, dass eine finanzielle Entlohnung gewährleistet wird. Das gilt vor allem für wirtschaftliche Unternehmen, zu denen Verlage gehören. Je mehr junge Leute sich bewerben, desto größer ist die Auswahl und desto weniger ist der Arbeitgeber gezwungen, überzeugend aufzutreten.


Aber: Übernimmt der Praktikant Arbeiten, die berufstypisch für eine reguläre Fachkraft sind, so hat er auch Anspruch auf eine Vergütung. Bei Praktika, die nur ein oder zwei Monate andauern, ist es fraglich, ob man als Praktikant einen so großen Einblick in den Arbeitsalltag erhält und alltägliche Aufgaben übernimmt. Anders ist das jedoch bei Praktika ab sechs Monaten, in denen der Praktikant gute Möglichkeiten hat, einen eigenen Verantwortungsbereich oder eigene Projekte zu übernehmen – hier ist ein Entgelt angebracht. Viele Verlage bieten ein Gehalt von 400,- Euro an, da dieser Verdienst in die Kategorie „Minijob“ gesteckt wird und buchhalterisch leichter zu regeln ist. Manche Verlage, wie Random House zum Beispiel, beteiligen sich bei der Aktion „Fair Company“ und versichern ein monatliches Gehalt bei Praktika und auch bei Volontariaten.


Ansonsten kann man für die Zeit noch einen Bildungskredit aufnehmen, der auch während des Studiums einiges erleichtern kann. Beim kfw-Studienkredit ist der Zeitraum und Betrag frei wählbar und die Rückzahlung erfolgt ab einem Mindestbetrag von monatlich 20,- Euro. Generell jedoch gilt: Lässt sich ein Kredit vermeiden, so sollte man es tun.



Was ist denn das Spartenpapier?



Das Spartenpapier sind Verhaltensgrundregeln für die drei Wirtschaftsstufen der Buchbranche, herausgegeben vom Börsenverein des deutschen Buchhandels. Hier geht es zum Spartenpapier – ab zum Lesen! Es enthält wichtige Aspekte, die für den Nachwuchs auch eine Rolle spielen können, da diese Verhaltensgrundregeln das Miteinander in der Buchbranche erleichtern soll. Natürlich wird auf Rücksichtnahme plädiert und dass größere Verlage keine Benachteiligung kleinerer Buchhandlungen oder Barsortimente praktizieren sollen, aber wir dürfen auch hier nicht den wirtschaftlichen Aspekt vergessen: Das Generieren von Gewinn, um als Teilnehmer der Branche überleben zu können. Trotzdem finden wir vor allem in der Buchbranche außerordentlich viele leidenschaftlich engagierte Unternehmen, die das Spartenpapier als wichtig befinden. Wer in der Buchbranche arbeiten möchte, sollte sich mit den bestehenden Verhaltensregeln der Branche auseinandersetzen und sie kennen, um sich selbst besser einbringen und Verbesserungen anbringen zu können.



Wie kommt das Buch ins Regal?



Das, was für das Spartenpapier gilt, kann auch über den ausführlichen Leitfaden über den Zwischenbuchhandel gesagt werden. Hier geht es zum »ABC des Zwischenbuchhandels« – ab zum Lesen! Das »ABC des Zwischenbuchhandels« enthält wichtiges Vokabular, klärt über den Ablauf des Zwischenbuchhandels und dessen Aufgaben auf und erweitert das Wissen über die Buchbranche. Auch wenn kein Interesse bestehen sollte, im Zwischenbuchhandel Karriere zu machen, gehört das Wissen jedoch zum »Must-Know« des Nachwuchs der Buchbranche, da man die Verlage nicht unabhängig von Intermediären oder vom Einzelhandel betrachten kann.



Was habe ich denn für Einstiegsmöglichkeiten danach?



Wer ein oder mehrere Praktika absolviert und keine Lust mehr auf das Praktikantendasein (und das Praktikantengehalt) hat, der hat folgende Möglichkeiten, seine Karriere weiter zu stricken:


Übernahme eines Praktikanten in eine befristete / unbefristete Stelle
Manchmal ist es möglich, dass einem Praktikanten direkt im Anschluss eine Stelle angeboten wird, die meist als Juniorstelle oder Assistenz gekennzeichnet ist.


Übernahme in ein Volontariat
Häufiger jedoch erleichtert ein Praktikum die Übernahme in ein Volontariat. Ein Volontariat unterscheidet sich in einigen Punkten vom Praktikum, sollte aber nicht als Grundvoraussetzung für eine spätere Übernahme angesehen werden.


Absolvieren eines Volontariats mit anschließender Übernahme
Nach einem Volontariat besteht meistens die Aussicht auf eine Übernahme, da während des Volontariats der Arbeitgeber prüfen konnte, ob man ins Unternehmen passt – fachlich und menschlich gesehen. Die angebotenen Stellen bewegen sich meist im Rahmen von Junior- oder Assistenzstellen.


Direktbewerbung für Junior- oder Assistenzstellen
Wer keinen Sinn in Volontariaten sieht oder fachlich weiter ist, kann sich direkt für offene Junior- oder Assistenzstellen bewerben. Hier hängen die Möglichkeiten vor allem von den eigenen Fähigkeiten ab und von den Angeboten der Verlage, sodass eine Verallgemeinerung schwer zu formulieren ist.