Was genau ist ein Volontariat?



Das Volontariat – umgangssprachlich als Volo bezeichnet – ist mit einer Lehre zu vergleichen, jedoch ohne die gesetzliche Regelung, die der Lehrling in einem Unternehmen vorfindet.


Man kann das Volo in sehr vielen Wirtschaftszweigen finden, aber vor allem im Medienbereich ist die freiwillige Lehrzeit eine feste Institution und nicht mehr wegzudenken. Da der Medienbereich sehr vielfältig ist, muss man bei der Definition eines Volontariats zwischen der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche sowie der Buchbranche unterscheiden.
Natürlich gibt es noch in anderen Bereichen Volontariate, aber für uns zählen in erster Linie die Buchbranche und deren Verständnis von einem Volontariat.


Wenn wir uns einmal die Definition des Volontariats aus Sicht der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche ansehen, wird klar, dass ein Volo mit einer Ausbildung gleichzusetzen ist. Die Axel Springer Akademie definiert es wie folgt:

»Ein klassisches Volontariat in der Redaktion einer Zeitung oder Zeitschrift, eines Fernseh- oder Radio-Senders dauert in der Regel zwei Jahre, also zwischen 18 und 24 Monaten. Allerdings sind inzwischen erste Verlagshäuser dazu übergegangen, diese Ausbildungszeit auf drei Jahre (36 Monate) auszudehnen, da die Arbeitsprozesse im modernen Medienbetrieb zunehmend komplexer werden, die Anforderungen an die Journalisten steigen und insbesondere die Konvergenz der Medien medienübergreifende Kompetenzen, so genannte crossmediale Fähig- und Fertigkeiten erfordert. Inhaltlich bedeutet Volontariat, dass der Volontär während seiner Ausbildungszeit / Vertragslaufzeit in der Redaktion mitarbeitet (training on the job, learning by doing it), dabei mindestens drei unterschiedliche Ressorts (Politik, Wirtschaft, Lokales, Regionales, Feuilleton, Sport und so weiter) durchläuft und gelegentlich an überbetrieblichen Kursen oder Seminaren an Akademie teilnimmt.«

—Axel Springer Akademie



Die Ausbildung und die Einarbeitungszeit dauert in den Verlagen der Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser also zwei bis drei Jahre, um genug Zeit zu haben, den Nachwuchs nach den eigenen Wünschen zu formen. Leider wird jedoch nicht jeder Volontär übernommen, da es eine Kosten- und Kapazitätsfrage ist. Aber nach einem Studium noch einmal zwei Jahre »Ausbildung« zu absolvieren, ist eine große Herausforderung – dafür ist man danach fachlich versiert genug, um eine Festanstellung anzunehmen. Übrigens: Da in der Zeitschriften- und Zeitungsbranche das Volontariat tarifgesetzlich festgelegt ist, wird das Volo natürlich bezahlt.


In der Buchbranche läuft das etwas anders. Das Volontariat ist als eine Einarbeitungszeit und Einführungsphase in die Berufswelt zu verstehen. Oftmals kann diese Zeit auf 6 Monate verkürzt werden, aber der übliche Rahmen eines Volontariats in der Buchbranche beträgt zwölf Monate. Dauert es länger, sollte mit einer darauffolgenden Festanstellung gerechnet werden. Denn das ist oftmals der eigentliche Grund für Volontariate zwischen eineinhalb und zwei Jahren.


Durch ein Volontariat wird dem Nachwuchs die Gelegenheit gegeben, sich zu beweisen, seine Fähigkeiten zu zeigen und eigene Verantwortung zu übernehmen. Das Volontariat baut oftmals auf einem Praktikum auf oder hat solches als eine Voraussetzung. Das Gehalt eines Volontärs sollte sich ab 1000,- Euro (brutto) aufwärts bewegen, abhängig natürlich vom Lebensstandard der Stadt, der Verantwortung und den Arbeitszeiten. Ein Volontariat, das nicht vergütet wird, ist grundsätzlich abzulehnen und gegebenenfalls zu melden, zum Beispiel bei BuchKarriere oder dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Auch ein förmliches Anschreiben an den Verlag kann helfen, indem man Interesse an der Stelle bekundet, diese aber bewusst wegen den mangelhaften Konditionen nicht annehmen wird.


Doch warum sollte man überhaupt ein einjähriges Volontariat absolvieren? Andere Arbeitskräfte werden doch auch einfach so eingestellt, wenn sie passen. Da aber jeder Verlag anders arbeitet, intern unterschiedliche Strukturen hat, ein anderes Programm und eine andere Ausrichtung vorweist, ist es wichtig, den Neuling erst einzulernen. In einem Praktikum werden wichtige Arbeitsschritte und die Regeln der Branche vermittelt, doch manchmal reicht das nicht aus, um Verantwortung zu schultern und genügend Know-How anzuwenden. Das variiert jedoch stark von der Persönlichkeit und den Anforderungen der Arbeit. Wer der Meinung ist, schon fest in einem befristeten oder sogar unbefristeten Beruf einsteigen zu können, sollte für sich selbst entscheiden, ob er genug Erfahrung gesammelt hat. Diese können Nachwuchskräfte mit Hilfe von Praktika und dem Volontariat sammeln.





Welche Abteilungen bieten ein Volontariat an?



Nachdem ein Volontariat mit einem Vollzeitjob an Inhalt und Aufgaben gleichzusetzen ist, werden die Volontariate in ganz unterschiedlichen Bereichen angeboten. Oftmals nur in solchen, in denen eine Übernahme danach auch möglich ist.
Zu den klassischen Abteilungen gehören das Lektorat und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Aber auch im Vertrieb, bei der Rechte- und Lizenzabteilung, der Herstellung und im Marketing lassen sich Volontariatsangebote finden. Allgemein gilt: Die angebotenen Stellen unterscheiden sich von Arbeitgeber zu Arbeitgeber. In einem Verlag gibt es andere Aufgaben als in einer Agentur oder einem Literaturhaus.


Daher solltest du dir entweder einen Lieblingsbereich, eine Liste deiner präferierten Arbeitgeber oder eine Lieblingsstadt auswählen und dich dann bewerben. Natürlich ist es sehr hilfreich, wenn du die berufliche Richtung schon sehr früh überlegt hast und dein Praktikum oder deine Praktika auf das zukünftige Volontariat ausgerichtet sind. Wer zwei Praktika im Lektorat gemacht hat und dann in den Vertrieb will, wird das spätestens im Vorstellungsgespräch überzeugend erklären müssen.


Aufgrund vieler Veränderungen der Buchbranche (Stichwort: E-Books, Social Media, Augmented Reality, Apps und Crossmedia) gibt es häufig neue oder neu entstehende Stellen wie die des Community-Managers oder der Online Marketing-Assistenz.





Wie sind denn die Chancen für ein Volontariat?



Volontariate werden gerne angeboten, denn die Verlage gewinnen eine volle Arbeitskraft, von der sie fachliches Wissen, Erfahrung und Arbeitsbereitschaft erwarten dürfen. Und für die oft nicht so viel gezahlt werden muss wie einer echten Arbeitskraft. Toll. Daher solltest du tatsächlich sofort jeden Arbeitgeber aussieben, der keine Bezahlung anbietet oder das Thema Übernahme lachend abwinkt. Ein Volo macht man nicht (ganz) zum Spaß, sondern möchte danach fest in der Buchbranche mit einem Vollzeitjob einsteigen.


Viele Verlage und Arbeitgeber haben eine festgelegte Anzahl an Volontären in bestimmten Abteilungen ähnlich wie beim Praktikum. Diese Stellen werden jährlich neu ausgeschrieben, sodass man sich schon frühzeitig über etwaige Angebote informieren kann. Geht es einem Unternehmen besonders gut oder soll eine neue Abteilung aufgebaut werden, kann es sein, dass eine neue Stelle hinzugefügt wird. Daher empfiehlt es sich, eine Liste mit potentiellen Arbeitgebern zu machen und sich frühzeitig zu bewerben. Wenn jemand einen absoluten Lieblingsverlag hat, dann lohnt sich natürlich das Verschicken einer Initiativbewerbung, da sich intern immer wieder etwas ändern kann.





Wie steht‘s mit der Bezahlung bei einem Volontariat?



Geld und Buchbranche kann mitunter ein schwieriges Thema sein. Viele kleine Verlage, die kaum Budget jedoch viel Arbeit haben, können selten eine faire und angemessene Bezahlung ermöglichen. Trotzdem werden weiterhin Praktika angeboten und Volontäre gesucht.


Beim Volontariat gilt die goldene Regel: Ist ein Volontariat unbezahlt, sollte sofort davon Abstand genommen werden. Außer im Vertrag steht, dass nach 6 Monate Volontariat eine Festanstellung zugesichert wird. Alles andere ist schlichtweg eine Ausbeuterei und darf nicht gefördert werden.


Betrachtet man die tarifgesetzlich geregelte Bezahlung der Volontäre im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich, die erst seit kurzem und nicht von allen umgesetzt wurde, können Schwellenbeträge für die Buchbranche ausgemacht werden.
Die grundsätzliche Volontariatsvergütung sollte bei 1000,- Euro brutto liegen. Netto kommt man dabei auf ca. 700,- Euro, abhängig von der eigenen Steuerklasse, wobei wir hier von der Steuerklasse 1 ausgehen. Je nachdem, in welcher Stadt, mit welchem Arbeitsaufwand und welcher Verantwortung gearbeitet wird, sollte die Vergütung anpasst werden. Beispielsweise kann ein Volontariat mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 50 Stunden, eigenen Projekten und Budgets in München mit 1000,- Euro nicht mehr als angemessen bezeichnet werden.


Das Thema »Bezahlung« wird während des Vorstellungsgesprächs sicherlich aufkommen und du solltest nicht gleich über Gehaltserhöhung diskutieren, sondern nachfragen, welche Vergünstigungen du sonst noch erhältst. Mitarbeiterrabatt, Leseexemplare, Fahrtkostenzuschuss, Weihnachts- und Urlaubsgeld – all das kann eher verhandelt werden als das Fixgehalt – du bist ja nicht der einzige Bewerber, und die Erfahrung zeigt leider, dass Verlage eher zu den »günstigeren« Arbeitskräften neigen, auch wenn diese nicht ganz perfekt geeignet wären.





Was habe ich für Einstiegsmöglichkeiten danach?



Nach einem Volontariat hast du einige Möglichkeiten, die dir einen Einstieg in die Buchbranche erleichtern – obwohl du dank dem Volo schon fast angekommen bist. Ein gutes Zeugnis ist sehr wichtig, damit du danach flexibler bist und deine Arbeit eine angemessene Anerkennung erhält.


Übernahme eines Volontärs in eine befristete / unbefristete Stelle
Du kannst nach deinem Volo direkt in eine Festanstellung übernommen werden. Das kann während des Bewerbungsgesprächs, während des Volontariats oder erst gegen Ende besprochen werden. Oftmals bieten Arbeitgeber erst gegen Ende eine Übernahme an, nachdem du bewiesen hast, dass du ins Team passt und die richtigen Qualifikationen hast.


Absolvieren eines weiteren Volontariats
Es kann aber auch sein, dass dich der Verlag oder der Arbeitgeber soooo toll findet, dass er dir gleich noch ein Volontariat anbietet. Wenn er dir nach einem überschaubarem Zeitpunkt eine Festanstellung garantiert, kannst du darüber nachdenken. Ansonsten: Nichts wie weg!


Direktbewerbung für Junior- oder Assistenzstellen
Du kannst dich dank der guten Arbeitserfahrung, die mit einer Vollzeitstelle gleichzusetzen ist (jedoch nicht immer!), für einen Job bei anderen Verlagen, Agenturen oder Unternehmen bewerben. Der erste Schritt ist mit dem Volo gemacht und du hast an Praxiswissen sowie Arbeitserfahrung gewonnen.